Die Hausbank hat ausgedient

Mittwoch den 7.02.2018

Mit der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 leistet die Europäische Union einer Entwicklung Vorschub, die Hausbanken schon heute Richtung Abstellgleis manövriert. Statt das Girokonto bei einer Bank vor Ort zu führen, werden Drittanbieter genutzt oder die Dienste eines sogenannten FinTechs in Anspruch genommen. Ein Trend, auf den klassische Kreditinstitute reagieren müssen, warnt die Unternehmensberatung PwC.

Girokontoverwaltung per App

Inzwischen hat jeder sechste Bundesbürger eine Finanz-Applikation auf dem Smartphone, die nicht von der Hausbank stammt. Den größten Anteil hat die Altersklasse von 30- bis 39 Jahren mit 25 Prozent. Selbst bei 40- bis 49-Jährigen liegt die Quote bei 21 Prozent. Das mag auf den ersten Blick noch nicht alarmierend wirken. Es ist vielmehr der anhaltende Trend, der Banken Sorgen bereiten sollte. Denn vor einem Jahr nutzte nur jeder neunte Deutsche Finanz-Apps von Drittanbietern.

Der Leiter für Digital Financial Services bei PwC in Deutschland, Peter Kleinschmidt, mahnt daher. „Für die klassischen Banken beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.“ Wenn sie den neuen Playern keine attraktiven Angebote entgegensetzten, würden sich auf Dauer immer mehr Kunden von ihnen abwenden.

Die Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2

Dazu trägt auch die Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 der EU bei. Sie räumt einige Hürden beiseite, um Drittanbietern den Zugriff auf die Kontodaten der Nutzer bei deren Hausbank zu erleichtern. Immer vorausgesetzt natürlich, der Kunde stimmt zu. Damit verlieren Banken Stück für Stück die Hoheit über das Girokonto und damit einen ihrer Wettbewerbsvorteile.

Dass diese Entwicklung vielen Kunden entgegenkommt, zeigt das aktuelle Nutzerverhalten. Die Finanz-Apps fremder Anbieter werden bereits jetzt für die gängigen Bankgeschäfte rund um das Girokonto genutzt. 63 Prozent der Befragten rufen über die Applikation ihren Kontostand ab. 50 Prozent nutzen die Tools für Überweisungen und knapp 29 Prozent zahlen sogar per App. „PSD2 könnte damit zu einem Wendepunkt werden, was die Art und Weise angeht, wie die Menschen ihre persönlichen Finanzgeschäfte abwickeln“, so Peter Kleinschmidt.