Der Girokontowechsel hat Seltenheitswert

Montag den 30.10.2017

Angesichts der Kritik an der Gebührenpolitik vieler Banken sollte man meinen, immer mehr Deutsche wechseln ihr Girokonto. Tatsächlich halten sich die meisten Kunden jedoch zurück, schlucken die Kröte und bleiben ihrem Kreditinstitut treu. Daran ändern offenbar auch völlig überzogene Kontoführungsgebühren und der neue Kontowechselservice nur wenig.

Nur wenige Deutsche wechseln das Konto

Interessant ist die Wechselfaulheit vor allem im Hinblick auf die gesetzlichen Änderungen. Sie sollten eigentlich für mehr Bewegung am Markt sorgen. Seit einem Jahr müssen Banken ihren Kunden beim Wechsel des Girokontos helfen. Ebenso alt ist das Konto für Jedermann. Während das Jedermann-Konto hinlänglich bekannt ist, wissen viele Kunden nicht, dass sie Anspruch auf den Kontowechselservice haben und nur noch ein Formular ausfüllen müssen. Den Rest erledigen die Banken.

Aktuell scheint die Mehrheit der Bankkunden kein Interesse daran zu haben. Das belegen die Zahlen. Eine Forsa-Studie im Auftrag der Verbraucherzentralen ergab, dass im vorigen Jahr lediglich zwei Prozent der Deutschen ihr Girokonto gewechselt haben. Befragt wurden 1.800 Kunden. Bei einer Studie von Yougov für die Deutsche Presseagentur mit 2.052 Teilnehmern waren es neun Prozent, die sich in den vergangenen zwölf Monaten für ein neues Girokonto entschieden haben.

Kosten und Service entschieden über den Kontowechsel

Wer von diesem Wechselwillen profitiert hat, ermittelte die Marktforschungsgesellschaft GfK. Dabei zeigt sich: Kunden wollen nicht nur ein günstiges oder komplett kostenloses Konto, sondern auch Beratung und Service vor Ort. Denn die größten Gewinner am Wechselmarkt sind mit 17,7 Prozent die Sparkassen, gefolgt von der ING-DiBa (15,5 Prozent), der Commerzbank (14,9 Prozent), der comdirect (7,3 Prozent), den Volksbanken und Raiffeisenbanken (7,3 Prozent) und der Postbank (4,6 Prozent).

Mit 51 Prozent wurden die meisten Konten online eröffnet. Die Gründe für den Wechsel: die Kosten und der Service. Das haben die „Verlierer“ zu spüren bekommen. Die meisten Nackenschläge erhielt demnach die Postbank, deren Anteil bei den Kündigungen 40,5 Prozent beträgt. Es folgen die Sparkassen (18,8 Prozent), die VR Banken (13 Prozent), die HypoVereinsbank (3,5 Prozent), die Sparda-Banken (4,00 Prozent) und die comdirect (2,3 Prozent).

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