Kontoführungsgebühren beeinflussen die Stimmung

Mittwoch den 4.10.2017

Kaum eine Veränderung hat Verbraucher beim Thema Girokonto in den vergangenen Monaten so sehr aufgeregt wie die zahlreichen Gebührenanpassungen. Immer mehr Kreditinstitute drehen an der Kostenschraube und ziehen sich damit den Zorn ihrer Kunden zu. Besonders schmerzhaft hat das die Postbank als größte Privatkundenbank zu spüren bekommen. Doch auch Regionalbanken merken, dass Gebühren die Stimmung schnell in Frust und Ärger umschlagen lassen können.

Zehn Prozent weniger Kunden

Die Postbank war eine der ersten großen Banken, die sich vom kostenlosen Konto verabschiedet haben. Die Ankündigung lief wie eine Welle durch die Medien und offenbar auch durch die Kundschaft. Eine Untersuchung ergab nun, dass die neuen Kontoführungsgebühren die Postbank fast zehn Prozent der Girokonto-Kunden gekostet haben. Die haben sich eine günstigere Alternative gesucht. Immerhin ist es dem zur Deutschen Bank gehörenden Unternehmen gelungen, einen Teil der Verluste durch Neuakquise zu kompensieren.

5,25 Millionen Girokonto zählte die Postbank Mitte 2016. Binnen eines Jahres schrumpfte die Zahl auf fünf Millionen. Netto hat das Kreditinstitut somit 250.000 Kunden verloren. Bedenkt man allerdings, dass im ersten Halbjahr 2017 rund 170.000 und im zweiten Quartal 2016 etwa 130.000 Neukunden hinzugewonnen wurden, summiert sich das Minus auf brutto 550.000.

Zahlende Kunden haben einen höheren Stellenwert

Die Postbank kann mit diesen Zahlen sehr gut leben. Denn fünf Millionen Kunden, die Gebühren zahlen, hätten einen anderen Stellenwert als 5,25 Millionen Verbraucher, die mehrheitlich keine Kontoführungsgebühren berappen. Letztlich eine simple Rechnung.

Ähnliche Problemen kennen alle Banken, die ihre Kontomodelle überarbeitet haben. Diese Erfahrung wird jetzt auch die Sparkasse Lübeck machen. Sie verlangt für das Girokonto ab Dezember statt 3,95 bis 7,50 Euro 9,90 oder 15,90 Euro – und bietet dafür unter anderem Zusatzleistungen wie Rabatte oder eine Handyversicherung. Viele Kunden sehen darin keinen echten Mehrwert und drohen mit Kündigung. Für die Sparkasse bedeutet das: Sie wird die Gebührenkorrektur in Ruhe erklären müssen, damit die Stimmung nicht weiter kippt.

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