Gläserner Dispo statt Zinsdeckel

Dienstag den 4.03.2014

Eines der Themen, das zwischendurch immer wieder aus der Versenkungen auftaucht, Verbraucher und teils auch die Politik aufregt, bislang aber nie abschließend „beackert“ wurde: der Dispo. Als die ING-DiBa auf den höheren Überziehungszins verzichtete und verkündete, künftig nur noch mit dem Dispositionskredit zu arbeiten, war das Raunen wieder da. Dieses Mal ging es durch die Reihen der Banken. Schließlich zählt das Girokonto für sie zu den wichtigsten Produkten. Arbeitet die Konkurrenz plötzlich mit kundenfreundlicheren Konditionen und mahnt zur Transparenz, hat das deutlich mehr Gewicht als jede Ankündigung einer Partei.

Insofern springt Bundesverbraucherminister Ingo Maas (SPD) mit seinen Dispo-Überlegungen gewissermaßen auf einen fahrenden Zug und nutzt die jüngste Dynamik am Markt. Er moniert, wie schon seine Vorgängerin Ilse Aigner (CSU), die viel zu hohen Zinsen, falls das Girokonto in die roten Zahlen gerät. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ betonte er: „Wenn Leute ins Minus gehen und in den Dispo fallen, müssen sie darauf hingewiesen werden, dass sie exorbitante Zinsen zahlen müssen.“ Die aktuellen Bedingungen mit bis zu 14 Prozent seien nicht sachgerecht und auch nicht nötig. Einige Verbraucher würden dadurch in die Totalverschuldung getrieben.

Damit Bankkunden gar nicht erst in diesen Teufelskreis geraten, hat die Große Koalition eine Marschroute festgelegt, allerdings ohne einen Termin zu nennen. Kreditinstitute sollen ihre Kunden künftig warnen, wenn das Konto überzogen wird. Mehr noch: Bleibt das Girokonto längere Zeit in den Miesen, erwartet die Politik, dass Betroffenen günstigere Alternativen offeriert werden. Das könnte zum Beispiel ein Ratenkredit sein, mit dem der Dispo umgeschuldet wird. Bei Verbraucherschützern laufen CDU/CSU und SPD mit dieser Forderung offene Türen ein. Ein Hinweis, der nun schon seit gefühlten Ewigkeiten im Raum steht, die Dispositionszinsen zu deckeln, bleibt jedoch unerfüllt.

Hier setzt Heiko Maas auf Transparenz und damit ein gesundes Konkurrenzverhalten. Sein Wunsch: „Die Höhe der Dispozinsen sollte auch im Internet vergleichbar sein.“ Diese Klarheit werde es Banken immer schwerer machen, überhöhte Zinsen zu verlangen. Dass es funktionieren könnte, beweist die Aktion der ING-DiBa, die längst den einen oder anderen Nachahmer gefunden hat. Problematisch wird es aber für Kunden, die bereits dunkelrote Zahlen schreiben. Sie haben kaum noch eine Chance, ein Girokonto bei einer anderen Bank zu eröffnen.