Girokonto: die To-do-Liste der Banken

Donnerstag den 20.06.2013

Das Girokonto an sich ist ein simples Produkt, stellt Banken in Zukunft aber vor einige Herausforderungen. Gleich zwei Großbaustellen kündigen sich an und werden den Markt womöglich neu sortieren. Zum einen steht die Ankündigung der EU-Kommission im Raum, das Girokonto für jedermann als Grundrecht zu zementieren. Zum anderen werden die Kreditinstitute nicht umhinkommen, das Thema Dispositionszinsen zu überdenken und mit Bedacht an den Konditionen zu schrauben.

Überraschend kommen diese Entwicklungen nicht. Sie stehen schon lange auf dem Wunschzettel der Verbraucherschützer, wurden bislang aber nicht oder nicht ausreichend in die Tat umgesetzt. Schützenhilfe leistet jetzt die EU. Angesichts von Millionen Menschen im Euroraum, die kein eigenes Konto haben, war es an der Zeit, die Daumenschrauben anzulegen. Alleine in der Bundesrepublik sind Schätzungen zufolge 130.000 Verbraucher ohne Girokonto. Das soll sich ändern, indem das Konto auf Guthabenbasis in das Pflichtprogramm aufgenommen wird. Die Sparkassen haben ihre Hausaufgaben diesbezüglich bereits gemacht. Die übrigen Bankenverbände werden spätestens dann nachziehen müssen und der freiwilligen Selbstverpflichtung Taten folgen lassen, wenn die EU-Richtlinie in Stein gemeißelt wird.

Gleichzeitig fordert die EU mehr Transparenz und erweitert den Maßnahmenkatalog um eine einheitliche Kostenübersicht, die Verbrauchern den Girokontovergleich erleichtern soll. Dabei wird der Dispositionskredit zwar nur eine untergeordnete Rolle spielen, könnte sich aber als Zünglein an der Waage erweisen. Schließlich kommen viele Bankkunden nicht umhin, den Dispo in Anspruch zu nehmen – mal nur kurzfristig zum Monatsende, teils aber auch über einen längeren Zeitraum.

In diesem Punkt sind die drei großen Bankenverbände in Deutschland etwas schneller als die Europäische Union. Sie haben sich jüngst darauf verständigt, die Dispokonditionen besser zu kommunizieren. Heißt: Die Zinssätze sollen künftig auf den Internetseiten veröffentlicht werden. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält das laut Handelsblatt für einen Schritt in die richtige Richtung: „Wenn es mehr Transparenz gibt, gibt es mehr Möglichkeiten zu vergleichen und mehr Wettbewerb bei den Banken. Dann sinken auch die Preise.“ Das Ministerium mahnt, sich an diese Vorgabe zu halten. Ansonsten würden die Dispozinsen reguliert, allerdings ohne eine Obergrenze zu definieren. Jetzt darf man gespannt sein, was sich aus diesen Neuerungen ergibt.

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