Zwei Millionen Konten auf Guthabenbasis

Dienstag den 21.05.2013

Alles Zaudern und Zögern wird weder der Politik noch einem Großteil der Banken etwas bringen: Sobald der Richtlinien-Entwurf der EU-Kommission zum Girokonto für jedermann die nächsten Hürden nimmt und von der Papier- in die Gesetzesform gebracht wird, ist Schluss mit der Rosinenpickerei. Eine solche von Paragrafen getriebene Daumenschraube wurde in der Bundesrepublik bislang immer abgelehnt. Die Hoffnungen ruhten auf der Selbstverpflichtung der Banken aus dem Jahr 1995, jedem Interessenten ein Girokonto einzurichten – wurden aber nicht allesamt erfüllt.

Völlig nutzlos ist die Regelung indes nicht. Das belegen die Zahlen, die jetzt auf Anfrage der SPD vom Bundesfinanzministerium genannt wurden. Sie bestätigen allerdings auch, dass die Selbstverpflichtung längst nicht für alle Institute eine Selbstverständlichkeit darstellt. Zwei Millionen Konten auf Guthabenbasis werden aktuell bei deutschen Kreditinstituten geführt. Die Nase vorn haben ganz klar die Sparkassen. Sie richteten knapp die Hälfte dieser Girokonten ein und sind mit ihrem sogenannten Bürgerkonto bereits auf dem Weg, den EU vorgibt.

80.000 Mal wurde dieses Kontomodell seit Oktober vorigen Jahres bereits nachgefragt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht teurer ist als andere Konten und die Sparkassen Schlichtersprüche in jedem Fall anerkennen. Die Deutsche Kreditwirtschaft zieht daraus den Schluss, dass Menschen mit finanziellen Problemen in Deutschland einen guten Zugang zum Konto für jedermann haben. Nur leider basiert diese Einschätzung auf einer zu kleinen Basis an Banken, die bereit sind, jedem Kunden ein Girokonto zu ermöglichen. Sich nur auf die Sparkassen zu verlassen, ist angesichts von 670.000 Personen ohne Konto schlichtweg zu wenig.

Dass andere Banken versuchen, mögliche Problemkunden im Regen stehen zu lassen, hat sich bereits bei der Einführung des Pfändungsschutzkontos (P-Konto) gezeigt. Die Verbraucherzentralen kamen gar nicht hinterher, Institute daran zu erinnern, dass die Kontoführungsgebühr beim P-Konto nicht höher sein darf als bei einem normalen Girokonto. Bisweilen waren Gerichtsurteile nötig, um dem Gebaren der Banken ein Ende zu bereiten. Dieses Problem wird es beim Girokonto für jedermann nicht geben. Denn die EU-Kommission fordert auch eine klare Auflistung und einen Vergleich der Kosten. Da zeigt sich dann, wer kundenfreundlich ist und wer nur Rosinen mag.

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